{"id":744,"date":"2015-08-27T09:54:45","date_gmt":"2015-08-27T07:54:45","guid":{"rendered":"http:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/?page_id=744"},"modified":"2022-04-26T18:11:55","modified_gmt":"2022-04-26T16:11:55","slug":"buch-panaitios","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/?page_id=744","title":{"rendered":"Doktorarbeit: &#8216;Persona'"},"content":{"rendered":"<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Philosophenweg-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2914 aligncenter\" src=\"http:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Philosophenweg-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Philosophenweg-200x300.jpg 200w, https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Philosophenweg-683x1024.jpg 683w, https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Philosophenweg-768x1152.jpg 768w, https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Philosophenweg-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Philosophenweg-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Philosophenweg-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/h6>\n<h6 style=\"text-align: center;\">Auf dem Philosophenweg, St. Moritz. Foto: Adrian Parker.<\/h6>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p><strong>Annekatrin Puhle:&nbsp;<\/strong><strong>Persona &#8211;&nbsp;<\/strong><strong>Zur Ethik des Panaitios.&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Philosophische Dissertation, Freie Universit\u00e4t Berlin.<\/p>\n<p>Reihe: Europ\u00e4ische Hochschulschriften \/ European University Studies \/ Publications Universitaires Europ\u00e9ennes &#8211; Band 224<\/p>\n<p>Frankfurt\/M., Bern, New York, Paris, Peter Lang: 1987. X, 290 S.&nbsp;ISBN 978-3-8204-9202-6 br. (Softcover)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Dissertation-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2917 aligncenter\" src=\"http:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Dissertation-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Dissertation-225x300.jpg 225w, https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Dissertation-768x1024.jpg 768w, https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Dissertation-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Dissertation-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/annekatrinpuhle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Dissertation-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcber das Buch<\/strong><\/p>\n<p>Panaitios&#8217; Theorie der vier \u00abpersonae\u00bb des Menschen wirft die Frage nach der Individualit\u00e4t auf. Die vorliegende Arbeit hebt den Gedanken der vierten, aus Freiheit gew\u00e4hlten \u00abpersona\u00bb hervor, die nicht den rolle-spielenden Menschen, sondern die harmonische individuelle Pers\u00f6nlichkeit meint. Die \u00e4sthetische Komponente des Formens der \u00abpersona\u00bb durch das Wahren des \u00abdecorum\u00bb begr\u00fcndet die ethische Bedeutung der Individualit\u00e4t. Das Ideal des stoischen Weisen ist dem wirklichen, individuellen Menschen gewichen. Die Praxis gewinnt Bedeutung gegen\u00fcber der Schultheorie, der Mensch legt Hand an die Natur. Insofern ist Panaitios&#8217; Philosophie eine Revision der Stoa.<\/p>\n<p><strong>Inhalt<\/strong><\/p>\n<p>Aus dem Inhalt: Individualit\u00e4t bei Panaitios? &#8211; Die vier \u00abpersonae\u00bb des Menschen &#8211; Das \u00abdecorum\u00bb &#8211; Individualit\u00e4t oder Rollenspiel? &#8211; Ausblick: Renaissance und Humanismus\/Shaftesbury\/Goethezeit &#8211; Fragmente zu Panaitios (mit \u00dcbersetzung).<\/p>\n<p><strong>Rezensionen<\/strong><\/p>\n<p>\u00abDie Verfasserin hat das Verdienst, Gedanken des Panaitios mit moderner Begrifflichkeit ganz unterschiedlicher Provenienz konfrontiert und die Aktualit\u00e4t dieser Gedanken erwiesen zu haben. Was kann einem antiken Autor Besseres zuteil werden?\u00bb (Hans Armin G\u00e4rtner, Gnomon)<\/p>\n<p><b>Rezension von Hans Arnim G\u00e4rtner<\/b>. In: GNOMON 59, 1987. S.432-435.<\/p>\n<p><b>Annekatrin Puhle<\/b>: <i>Persona. Zur Ethik des Panaitios. <\/i>Frankfurt am Main\/Bern\/New York: Lang 1987. X, 290 S. (Europ\u00e4ische Hochschulschrifren, Reihe 20: Philo\u00adsophie. 224.) 65 sfr.<\/p>\n<p>Frau Puhle will die Frage kl\u00e4ren, ob \u201eviele Rezipienten und Interpreten\u00bb des Panaitios mit Recht \u201eschon\u201c bei ihm \u201cden philo\u00adsophischen Gedanken der Individualit\u00e4t er\u00adkannten\u201c, \u201cden man aIlgemein fr\u00fchestens in der Renaissance entstanden sieht\u201d und wei\u00adter die mit diesem Problem verbundene \u201eun\u00adgew\u00f6hnliche Frage, . . . ob Panaitios auch ei\u00adne Individualethik verfasst hat\u201c (S. 2).<\/p>\n<p>Das erste Kapitel (9-43) ist der Entste\u00adhung und aktuellen Bedeutung des Begriffes \u2018Individualit\u00e4t\u2019 gewidmet, dabei werden An\u00adhaltspunkte f\u00fcr tats\u00e4chlich \u2018gelebte\u2019 Indivi\u00addualit\u00e4r vor Panaitios gesucht, ferner wer\u00adden Begriffserkl\u00e4rungen von \u2018Individuali\u00adt\u00e4t\u2019, \u2018Person\u2019 und \u2018Individualethik\u2019 geboten; den Abschluss bildet ein \u00dcberblick \u00fcber das, was vor Panaitios als Ausdruck der Indivi\u00addualit\u00e4t gegolten hat.<\/p>\n<p>Nach dieser Vorabkl\u00e4rung wird im zwei\u00adten Kapitel (44-80) der Naturbegriff des Panaitios im Kontrast zum stoischen behan\u00addelt. \u2013 Den gr\u00f6ssten Raum gibt die Verf. mit ihrem dritten Kapitel (81-121) einer einge\u00adhenden Er\u00f6rterung der vier <i>personae <\/i>des Menschen im Dichter- bzw. Schauspieler\u00advergleich des Panaitios (Cic., de off. I 93\u00ad-125), kontrastiert sie mit den Auffassungen der orthodoxen Stoa und Demokrits, legt dabei besonderes Gewicht auf die selbstbestimmte\u2019 Person und er\u00f6rtert in die\u00adsem Zusammenhang den Freiheitsgedanken bei Panaitios und den anderen Stoikern. \u00adDas vierte und f\u00fcnfte Kapitel (122-150, bzw. 151-157) bieten, an Ciceros erstem Buch von <i>de officiis <\/i>entlanggehend, eine Diskussion der Begriffe <i>honestum <\/i>und <i>offi\u00adcium, <\/i>des Masses fur das Handeln, des \u2018Te\u00adlos\u2019 und der vier Kardinaltugenden. Unter der \u00dceberschrift des <i>decorum, <\/i>in dem die Verf. mit Recht den Kern der Ethik des Pan\u00adaitios sieht (15 I), wird dann vom Harmonie\u00adgedanken und von der Bedeutung der \u2018Zu\u00adstimmung) der Mitmenschen gesprochen. \u00adIm sechsten Kapitel (158-184) setzt P. die von ihr gewonnene Auffassung von der Ethik des Panaitios zutreffend vom \u2018Rol\u00adlen\u2019-Begriff der modernen Soziologie ab und steIlt das von ihr bei Panaitios gefundene Verst\u00e4ndnis von Individualit\u00e4t dem moder\u00adnen Individualit\u00e4tsbegriff gegenl\u00fcber. Im letzten Kapitel (185-216) wird schliesslich das Nachwirken der er\u00f6rterten Gedanken des Panaitios in der Renaissance, bei Shaf\u00adresbury und in der Goethezeit verfolgt. In einem Anhang (217-254) bietet P. eine eige\u00adne \u00dcebersetzung der \u201ef\u00fcr das vorliegende Thema relevanten griechischen und lateini\u00adschen Fragmente\u201c nach der Sammlung M. van Straatens (3. Autl, Leiden 1962). \u2013 Hier soIlte vermieden sein, dass im Kontext eine andere Uebersetzung erscheint als im An\u00adhang: S. 59, 2. Absatz \u201eLeidenschafren der SeeIen\u201c, S. 225, F. 88 (richtig) \u201eBewegungen der Scelen\u201c.<\/p>\n<p>Wie der Ueberblick erkennen l\u00e4sst, ist das begriffsgeschichtliche Element in dieser Sru\u00addie sehr stark vertreten, doch stehen die Ge\u00addanken des Panaitios im Mittelpunkt. Des\u00adhalb ist es in erster Linie inreressant, wie zuverl\u00e4ssig die Er\u00f6rterung auf den Texten aufruht. Das bctrifft die Argumentation im driIten bis f\u00fcnften Kapitel.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr die FragesteIlung dort fast aus\u00adschliessIich einschl\u00e4gige Text ist Ciceros Werk \u2018de officiis\u2019, in dessen beiden(!) ersten B\u00fcchern Cicero haupts\u00e4chlich der Schrift des Panaitios \u2018per\u00ec to\u00fb kath\u00e9konthos\u2019 folgt (de off. III 7). Nach der noch erkennbaren Gewichtung der Argumente bei Panaitios m\u00fcssten nun P.s Kapp. 4 und 5 vor ihrem Kap. 3 stehen.<\/p>\n<p>Bei Panaitios ging es m.E. um ein den Tu\u00adgenden entsprechendes Verhalten in der po\u00adlitischen Oeffentlichkeit; wird dieses, da es \u201apr\u00e9pon\u2019 ist, also etwas, was Gefallen erwekckend aufleuchtet und in die Augen f\u00e4llt (Ci\u00adcero \u00fcbersetzt es mit <i>decorum), <\/i>wahrge\u00adnommen, erweckt es den Beifall der Mit\u00admenschen. Dieses <i>pr\u00e9pon<\/i> ist besonders bei der vierten Kardinaltugend (sophros\u00fdne) angesiedelt, ersrreckt sich aber auch \u00fcber die anderen Kardinaltugenden, d. h. \u00fcber den ganzen Bereich des kal\u00f3n (bei Cicero: <i>ho\u00adnestum). <\/i>Wer mit seiner Lebensform den BeifaIl der Mitmenschen gewinnt, hat auch \u00ad- damit sind wir im Bereich des Nutzens <i>(uti\u00adle, <\/i>d.h. in Ciceros zweitem Buch) \u2013 ihre wohlwoIlende Gefolgschaft in der Politik und kann mit ihrer Hilfe grosse Pl\u00e4ne ver\u00adwirklichen. So ist das <i>pr\u00e9pon<\/i>, <i>decorum <\/i>der Drehpunkt zwischen guter politischer Mo\u00adral und der auf Zustimmung gegriindeten, n\u00fctzlichen Gefolgschaft der Menschen.<\/p>\n<p>In diesem gross<i>en <\/i>Zusammenhang haben die vier <i>personae <\/i>des Menschen nicht die zentrale Bedeutung, die P. ihnen zuweist, sondern dienen nur als Veranschaulichung und Anleitung zur Erkenntnis des <i>pr\u00e9pon<\/i>, <i>decorum. <\/i>Das flir Panaitios damir verbunde\u00adne Problem. wie man die Zuneigung dcr )Vlcnschen gewinnt und sie dadurch, ohnc Furchr erwccken zu miissen, flihrcn kann, har auch Scipio Aemilianus und Polybios bewcgr, die beide mir Panairios in Konrakr standen. 1<\/p>\n<p>Des Panaitios Schrift soIlte auch keine theoretische Grundlegung der Ethik bieten, was die Verf. aber vorausserzt. sie war viel\u00admehr deutlich der politischen Realit\u00e4t zuge\u00adwandt. Deshalb w\u00e4hlte sie Cicero auch als Vorlage f\u00fcr sein Werk <i>de officiis, <\/i>das \u2013 an\u00adders als die theoretische Schrift <i>de finibus \u00ad<\/i>prakrisch-ethische Vorschriften bieten sollte (de off. I 5 u. 6; 117). Man darf deshalb nur mit Vorsicht einzelnen Argumenten dieser Schrift des Panaitios den Rang theoretischer Grunds\u00e4tze zumessen.<\/p>\n<p>Der grosse gedankliche Zusammenhang in der Schrift des Panaitios, in dessen Mittel\u00adpunkt das pr\u00e9pon steht, und der den Be\u00adreich der Tugenden (d.h. Ciceros erstes Buch de off.) und zugleich den des Nutzens (d.h. Ciceros zweites Buch) umfasst, wird in dieser Arbeit nicht deutlich gemacht. Es wird zwar in Kap. 5 (151-157) \u00fcber <i>decorum <\/i>und \u2018Zustimmung\u2019 gehandelt, die Bedeu\u00adtung des <i>decorum <\/i>f\u00fcr den Bereich des Nut\u00adzens wird dabei aber nicht ins Auge gefasst, Ciceros zweites Buch von de off. \u00fcberhaupt nicht weiter er\u00f6rtert, obwohl die zentrale Stelle (de off. II 16 = F. 117.) im Anhang (254) iibersetzt ist. \u2013 Bei ihrer Suche nach Ziigen von Individualethik findet nun P., nachdem sie die drei anderen <i>personae <\/i>dar\u00adgestelIt hat, bei der vierten <i>persona <\/i>(Kap. 3.5; S. I08-121) \u201edie Freiheit zur Per\u00adson\u201c (I20). Wirklich ist dort (de off. I 115) von <i>iudicium nostrum <\/i>und <i>nostra voluntas <\/i>die Rede, kraft derer wir uns eine <i>persona <\/i>anpassen. Doch werden diese nach freier Le\u00adbenswahl klingenden Formulierungen durch Cicero im folgenden stark eingeschr\u00e4nkt: Es geht, wenn man das Wort \u2018Karriere\u2019 vermei\u00adden will, darum, wie man sich hervortut, um die Geltung in der Gesellschaft als Philo\u00adsoph, Jurist oder Politiker zu erlangen.2 Meistens versuchen die S\u00f6hne, es den V\u00e4tern gleich zu tun oder sie gar zu \u00fcbertreffen.<\/p>\n<p>\u2018Bisweilen sehen einige <i>(nonnulli) <\/i>von der Nachahmung der Vorfahren ab und verfol\u00adgen wirklich ihren eigenen Plan, am heftig\u00adsten mussten in diesem Fall meistens <i>(in eo plerumque) <\/i>die sich m\u00fchen, die sich gross<i>e <\/i>Ziele setzen, obwohl sie nur Vorfahren ohne Rang haben\u2019 (de off. I 116). Diese <i>nonnulli <\/i>haben also meistens keine Vorbilder und m\u00fcssen sich deshalb \u2013 notgedrungen, m\u00f6ch\u00adte ich hinzuf\u00fcgen \u2013 einen eigenen Plan ma\u00adchen. Die Freiheit der Wahl ist begrenzt vorhanden, hier aber sicher nicht betont. Sie wird auch nicht durch die Erw\u00e4hnung von Hercules am Scheidewege (de off. I 118) un\u00adterstrichen, wie die Verf. (119) meint. Cice\u00adro f\u00fchrt Hercules vielmehr deshalb an, weil er im Gegensatz zu \u2018uns, die wir (nur) nachahmen\u2019, sehr lange \u00fcberlegen konnte, wel\u00adchen Weg er einschlagen sollte. Nur sehr wenige Hochbegabte und sehr gut Ausgebil\u00addete haben n\u00e4mlich nach Cicero (de off. I 119) die Zeit, ihren Lebensweg zu w\u00e4hlen, und dies nicht frei, sondern im Hinblick auf ihre eigene Anlage (die zweite <i>persona) <\/i>und nach dem Masstab dessen, was sich ziemt. D. h. nur sehr wenige kommen, wie Cicero n\u00fcchtern feststelIt, in diesem Bereich der vierten <i>persona <\/i>\u00fcberhaupt zur \u00fcberlegten Anwendung des decorum-Masstabes.<\/p>\n<p>Die vierte <i>persona <\/i>hat in Ciceros Schrift deshalb nicht die entscheidende Rolle, die P. ihr auf der Suche nach der freien Lebens\u00adwahl zuschreibt; alle <i>personae <\/i>sind vielmehr im Spiel; ein gr\u00f6sseres Gewicht liegt m. E. auf der zweiten (de off. I 110-114), wo es gilt, seine eigene Anlage zu erkennen und sich als ein scharfer Richter seiner eigenen Vorz\u00fcge und Fehler zu erweisen (I 114)\u2019 Die von P. gesuchte Freiheit der Wahl sehe ich allgemein bei den vier <i>personae <\/i>darin, dass der Mensch angesichts vorgegebener Gr\u00f6\u00ad<i>ssen <\/i>(der allgemeinen Vernunftnatur des Menschen [f\u00fcr die erste <i>persona<\/i>], der spe\u00adziellen Anlage des Einzelnen [f\u00fcr die zweite <i>persona<\/i>], der vom Zufall aufoktroyierten Lage [f\u00fcr die dritte <i>persona<\/i>] und der im Ge\u00adgensatz dazu \u2013 stark bedingt durch die ge\u00adseIlschaftliche Stellung \u2013 w\u00e4hlbaren Karriere [f\u00fcr die vierte <i>persona<\/i>],<i> <\/i>die ihm angemesse\u00adnen <i>personae <\/i>zu allererst erkennen, dann w\u00e4hlen und ausgestalten muss<i>. <\/i>Diese Wahl der Lebensform aufgrund \u00e4sthetisch-sittli\u00adcher Erkenntnis seines eigenen Wesens ge\u00adschieht aber immer \u2013 und das ist eine ganz wesentliche Einschr\u00e4nkung der Wahlfreiheit \u2013 im Hinblick auf den allgemeinen und blei\u00adbenden Masstab dessen, was sich vor den Augen der Menschen ziemt und was einem Gefolgschaft verschafft. Die Verf. h\u00e4tte also beim Nachweis dieser \u2013 eingeschr\u00e4nkten \u00adFreiheit doch allgemein bei den <i>personae, <\/i>besonders bei der zweiten, ansetzen sollen, sich aber auch stets bewusst bleiben miissen, dass die individuelle Gestaltung des Lebens nicht das Argumentationsziel der Schrift des Panaitios war.<\/p>\n<p>Andererseits vertritt P. ihre Deutungen in kluger Auseinandersetzung mit der doxo\u00adgraphischen Tradition; hier gibt sie man\u00adchen hilfreichen Hinweis bes. zum Verh\u00e4lt\u00adnis des Panaitios zum stoischen Naturbe\u00adgriff und zu den antiken Anschauungen von \u2018Zufall\u2019 und \u2018Freiheit\u2019. Ferner werden in die\u00adser Studie die bisher bei der Interpretation oft unrefIektiert verwendeten Begriffe und Uebersetzungen wie \u2018Individualit\u00e4t\u2019, \u2018Cha\u00adrakter\u2019, \u2018Rolle\u2019 u.a.m. am Mass einer philo\u00adsophischen Systematik gepr\u00fcft. Hier hat P. verdienstvoll auf eine Kl\u00e4rung hingewirkt. Man wird in Zukunft die Bedeutung solcher Begriffe in ihrem jeweiligen philosophisch\u00ad-systematischen Kontext st\u00e4rker im Auge be\u00adhalten mussen.<\/p>\n<p>Trotz der weiter oben dargelegten Umge\u00adwichtungen und Einschr\u00e4nkungen, die an der These dieser Arbeit vorgenommen wer\u00adden m\u00fcssen, hat die Vert. das Verdienst, Ge\u00addanken des Panaitios mit moderner Begriff\u00adlichkeit ganz unterschiedlicher Provenienz, wie die reichlich herangezogene Sekund\u00e4rli\u00adteratur zeigt, konfrontiert und die AktuaIi\u00adt\u00e4t dieser Gedanken erwiesen zu haben. Was kann einem antiken Autor Besseres zuteil werden?<\/p>\n<p>1 Vgl. meinen Aufsatz: Polybios und Pan\u00adaitios. UeberIegungen zu Polybios VI 3-9. W\u00fcJbb N.F. 7,1981,97-112.<\/p>\n<p>2 Was Panaitios\/Cicero im Bereich der vierten <i>persona <\/i>sagen, entspricht dem, was Polybios von der Hilfe berichtet, die er dem jungen Scipio Aemilianus angedeihen liess, als dieser ihn in Sorge um seine politische Geltung um Rat fragte (Pol. XXXI 23-26, B.- W.). Polybios baute damals Scipios Er\u00adfolg und Geltung in Rom wohl\u00fcberlegt auf, indem er ihn vor den Augen der R\u00f6mer und mit ihrer staunenden Anerkennung ein von dem \u00fcblichen r\u00f6mischen Verhalten abwei\u00adchendes, aber an den Kardinaltugenden orientiertes Leben f\u00fchren lehrte.<\/p>\n<p><i>Hans Armin G\u00e4rtner<\/i><\/p>\n<p>Heidelberg<\/p>\n<p><\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Philosophenweg, St. Moritz. Foto: Adrian Parker. Annekatrin Puhle:&nbsp;Persona &#8211;&nbsp;Zur Ethik des Panaitios.&nbsp; Philosophische Dissertation, Freie Universit\u00e4t Berlin. 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